2018

 

Wie für viele andere Mineraliensammler auch, war der Winter 2017/18 für mich eine echte Tortur. So einen langen Zeitraum, in dem das Suchen nicht möglich war, hatten wir die vorherigen Jahre nie. Erst mit Ende März war es möglich, sich langsam auf die Suche zu machen.

 

Frühling

Anfang April besuchte ich einen Seitengraben im vorderen Zederhaustal. Dort war ich schon längere Zeit nicht mehr gewesen und wollte mir noch einmal eine Stelle ansehen, die in der Anfangszeit ein paar nette Stücke gebracht hatte. Jetzt, mit einem mehr an Erfahrung und vielen Touren in den Beinen, wollte ich mich davon überzeugen, ob damals nicht doch etwas übersehen worden war, oder sich in der näheren Umgebung nicht doch noch etwas finden ließe. Leider war an dieser Stelle nichts mehr zu holen, daher erkundete ich die Umgebung. Dabei fand ich doch tatsächlich einen Kluftriss im Grünschiefer, der Bergkristalle, Calcit, kleine Adulare und winzige Sphene enthielt. Die Fundmenge war zwar überschaubar, nach zwei Besuchen war die Stelle erschöpft, aber als Saisonstart war es ganz okay.

Bei meinen nächsten Touren verlagerte ich meine Suche wieder in meinen Lieblingsgraben im Zederhaustal. Der erste Besuch war sehr ernüchternd, denn es lag einfach überall noch zu viel Schnee. Lediglich ein Fadenquarzstüfchen konnte ich bergen.

Da die Schneelage doch noch ziemlich unvorteilhaft war, besuchte ich zwischendurch einen weiteren Seitengraben. Auch diesen hatte ich ein paar Jahre lang nicht besucht. Zwar blieben die großen Funde aus, aber ich konnte ein paar schöne Calcite und Pyrit finden.

Als der Schnee endlich zum Großteil  geschmolzen war, kehrte ich in meinen Lieblingsgraben zurück und besuchte diverse alte Fundstellen. Dabei konnte ich einige schöne Stücke bergen, unter anderem für diese Gegend relativ große Calcite und an anderer Stelle, bei der Nachsuche, konnte ich mit meinem Kollegen Moa eine neue Kluft mit Bergkristall, Calcit und etwas Pyrit öffnen.
An anderer Stelle fand ich doch tatsächlich eine offene Kluft, leider war der Inhalt, mit Ausnahme eines einzelnen Bergkristalls, nicht mehr existent oder brauchbar.

Im späteren Frühjahr zog es mich dann in ein Gebiet, in dem ich einige Jahre nicht mehr gewesen war und in dem ich noch nie wirklich etwas gefunden hatte. Lediglich durch Erzählungen wusste ich, dass es auch dort fündige Zonen geben musste.
Der Zustieg in dieses Gebiet ist echt gemein, man geht gut 2 Stunden nur gerade bergauf. Dafür entdeckte ich dann direkt am Weg eine Stelle mit Calcit und wenig Bergkristall. Das motivierte immerhin, denn nachdem ich weiter gegangen war, quer durch ein steiles Waldgebiet, war ich irgendwo, nur nicht dort wo ich eigentlich hin wollte. Irgendwann erreichte ich dann einen Graben und begann meine Suche. Ich versuchte mich an mehreren Stellen und konnte an einer ein paar Stufen mit feinen Rutilnadeln auf Dolomit und Quarz finden. Im Anschluß suchte ich mir einen Weg in den Graben, untersuchte mehrere Stellen und steckte dabei ein paar kleinere Stücke ein. Beim Abstieg ins Tal erreichte ich einen Wildwechsel, an dessen Seite sich eine kleine Höhle befand. In der Höhle konnte man an ein paar Stellen Quarzadern mit kristallinen Anzeichen erkennen, allerdings war nichts so aussagekräftig, dass man gleich mit Hammer und Meißel zu arbeiten beginnen würde. Ich begann daher, eigentlich eher pro Forma, mit dem Pickel und dem Klufthaken den mürben Höhlenboden zu bearbeiten. Während ich Material bewegte, kamen immer wieder kleine Bergkristalle zum Vorschein, auch Dolomitstufen mit feinen Rutilnadeln tauchten auf. Wie aus dem Nichts fischte ich auf einmal ein paar recht brauchbare Bergkristalle, zum Teil mit Rutileinschluß, aus dem Schutt. Der größte Teil der Stufen bestand aber aus Dolomit mit Rutil.
Ich besuchte den Graben mehrmals und konnte dabei mehrere offene Klüfte finden und dabei einige schöne Stücke bergen. Gefunden wurden Calcit, Dolomit, Adular, Albit, Rutil und Bergkristall.

 

Sommer

Ab Anfang Juni verlagerte ich meine Suche in etwas höhere Gefilde, allerdings war es bei der ersten Tour so kalt, dass man sich schon die Frage stellte, ob man sich nicht doch in der Jahreszeit geirrt hatte.
Da ich im Hochsommer aus beruflichen und privaten Gründen wenig Zeit hatte, konnte ich auch in diesem Jahr meine Ausnahmegenehmigung für die Kernzone des Nationalparks nicht wirklich nutzen, es gingen sich nur 2 Touren aus und die dafür ohne Funde.
Um dem Faktor Zeit Rechnung zu tragen, war eines der wichtigsten Kriterien für die Auswahl meiner Suchgebiete, die Gehzeit. Ich entschied mich, mir ein Gebiet genauer anzusehen, in dem ich 2013 eine kleine Kluft gefunden hatte. Bei den ersten Besuchen konnte ich etwas Adular und Bergkristall finden. Da ich den Suchradius dann erweiterte, entdeckte ich eine völlig unberührte Zone, wo ich mehrere Klüfte entdeckte, die meisten enthielten aber kein oder kaum brauchbares Material. Nur an einer Stelle, erwies sich das offene Klüftchen als Fingerzeig, für eine schöne, wenn auch nicht allzu große Kluft. Und auch um diese Kluft als solche zu erkennen, brauchte ich schon 2 Besuche und nach 3 Besuchen war die Stelle auch schon erschöpft. Ich konnte dort einige schöne Stücke bergen. Gefunden wurde Albit, Bergkristall, minimal Pyrit und 2 noch unidentifizierte Mineralien.
Ich unternahm noch 2 weitere Touren in diese Gegend, bei der ersten entdeckte ich eine Stelle, die zusätzlich zu Albit und Bergkristall, noch Calcite enthielt und auf einigen Stücken Brookit und Anatas.

 

Herbst

 

Mit den sinkenden Temperaturen und dem beginnenden Herbst, verlagerte sich auch der Fokus wieder in tiefer gelegene Regionen. Zurück in meinem Lieblingsgraben unternahm ich ein paar Suchgänge, die eher überschaubare Ergebnisse brachten.
An Allerheiligen war ich wieder mit meinem Kumpel Moa unterwegs, als beim Aufstieg auf einmal ein Geländewagen neben uns hielt und der Fahrer von uns wissen wollte, was wir dort machen würden. Wir erklärten unser Vorhaben und klärten auf diplomatischem Wege noch über die Rechtslage auf, da es sich um den Aufsichtsjäger/Jagdpächter in dem Gebiet handelte. Auf die Frage, wohin wir den gehen würden, bat er uns nicht in diesem Gebiet zu suchen, da es für das Rotwild als Ruhezone genutzt wurde. Im Gegenzug bot er uns eine Mitfahrgelegenheit in höhere Regionen an, welche wir dankbar annahmen. Man sieht also, mit Diplomatie und Akzeptanz der Gegenseite, profitieren am Ende beide davon. Als wir ausstiegen, befanden wir uns in einer Gegend, die für uns absolutes Neuland war. Nach kurzer Bachquerung, erreichten wir die ersten Felsen und konnten mit dem Suchen beginnen und wurden prompt fündig. Es waren zwar nur kleine Spitzen, dafür von sehr guter Qualität, die Fundmenge blieb allerdings überschaubar, vielleicht auch, weil wir auf größeren Arbeitsaufwand verzichteten.
Nach diesem positiven Start, begannen wir die nähere Umgebung abzusuchen und entdeckten mehrere Stellen, die zwar optisch spannend waren, aber bei näherer Untersuchung nicht wirklich etwas hergaben.
Da an diesem Tag der Wetterbericht wieder einmal ein Griff ins Klo war, so waren wir zu Mittag schon etwas angefeuchtet und leicht durchgefroren. Deshalb suchten wir einen halbwegs trockenen Platz, um zu pausieren und zu essen. Ein paar Höhenmeter über unserem Rastplatz befanden sich einige Felsen und nach kleiner Stärkung, entschied ich mich, dort noch nachzusehen und im Anschluß den Heimweg anzutreten. Bei der Felsfomation angekommen, entdeckte ich zuerst eine Stelle, die zwar offensichtlich spannend war, aber mangels Werkzeug nur Kleinzeug zu Tage brachte. Als ich über die vor mir liegende Felskante blickte, entdeckte ich genau das, wonach man oft lange suchen muss. Eine kleine Felswand, mit einem elliptischen Quarzfleck und unmittelbar daneben ein Loch im Gestein, in das ein schmales Quarzband hineinlief. Bei der Stelle angelangt, begann ich den Boden aufzugraben, denn beim schmalen Quarzband konnte man schon Kristalle sehen. Mit lauten Rufen mobilisierte ich meinen Begleiter zu mir aufzusteigen. Gemeinsam begannen wir die Stelle freizulegen, wobei sich rasch herausstellte, dass der große Quarzfleck zwar kristalline Anzeichen zeigte, aber aufgrund der Härte kaum bearbeitbar war. Das Hauptaugenmerk lag schnell auf dem offenen Loch, aus dem sich auch im oberen Bereich relativ schnell kleinere Stufen bergen ließen. Beim nach unten arbeiten, tauchten im Erdreich immer wieder kleinere Spitzen auf. Irgendwann verlangte allerdings das Wetter und die Uhrzeit einen Abbruch der Arbeiten. Der erhoffte Erfolg war leider ausgeblieben.
Da mich solche Erlebnisse nicht loslassen, lief ich die nächste Woche ziemlich unrund, diese Stelle ließ mich gedanklich nicht mehr los. Daher nutzte ich den nächsten freien Tag, um wieder zu dieser Stelle aufzusteigen. Ich arbeitete mich nach unten und in den Fels hinein und langsam aber beständig gab die Kluft ihre ersten Schätze frei. Das erste gute Stück war ein kleiner Phantomquarz, dem neben vielen kleineren Stücken, noch ein sehr eigenwilliger Spitz und eine schöne, ästhetisch aufgebaute Handstufe folgten.
Bereits eine Woche später, war Moa wieder zur Stelle, in Anbetracht der Wetterprognose, die einen baldigen Wintereinbruch prognostizierte, waren wir schwer motiviert und voller Hoffnung auf gute Funde. Begleitet wurden wir von einem Bekannten, der unbedingt filmen wollte. Abwechselnd arbeiteten Moa und ich an der Stelle und wie des öfteren, dauerte es eine Zeit, bis sich die ersten brauchbaren Fundstücke einstellten. Da der Klufteingang eher schmal ist und die Arbeitshaltung eher ungemütlich, gestaltete sich die Arbeit als mühsam. Vielleicht hatten wir die Stelle doch falsch eingeschätzt, doch wieder einmal zahlten sich Hartnäckigkeit und Geduld aus. Wieder konnten wir einige Stücke bergen, von kleinen Spitzerln bis hin zu einer richtig großen Handstufe.
Am darauffolgenden Tag stiegen wir erneut auf, diesmal ohne filmische Begleitung. Erneut zahlte sich die Anstrengung und das Frieren aus. Aufgrund der Wetterprognose, beschlossen wir die Stelle winterfest zu machen und sind gespannt auf das Frühjahr und hoffen dass uns diese Kluft noch viele schöne Stücke bescheren wird.
Aufgrund der Vorgeschichte zu diesem Fund, beschlossen wir, die Stelle zu taufen und deswegen heißt die Kluft „Allerheiligenloch aka. Aufsichtsjägergedächtnisloch“! Paragenese: Bergkristall,Albit